Am heutigen Tag feierten wir alle Heiligen, auch diejenigen, die keinen festen Gedenktag im Kirchenjahr hätten – alle, die bereits die Vollendung erreicht hätten. Dies hofften wir für unsere Verstorbenen, aber auch für uns selbst. Wir feierten, dass wir aufgehoben seien in einer großen Gemeinschaft - nicht nur wir, sondern auch die Menschen, die vor uns ihren Glauben gelebt hätten, gehörten zu uns und zur Kirche.
In seiner Predigt ging der Pfarrer auf den Hl. Expeditus ein, von dem er erst vor Kurzem gelesen habe. Dieser stamme aus Armenien und sei ein Soldat in der römischen Armee gewesen. Um das Jahr 300 habe er den Märtyrertod erlitten, weil er seinen christlichen Glauben nicht verleugnen habe wollen. Er werde v.a. in Frankreich, Brasilien, Chile und auf La Réunion verehrt. Doch was mache diesen Heiligen besonders ansprechend? Er hätte sich entschieden, Christ zu werden und sich taufen zu lassen. Auf dem Weg zur Kirche habe der Teufel immer wieder versucht, ihn mit allen möglichen Argumenten davon abzuhalten. Der Teufel solle gesagt haben, dass dies eine wichtige Entscheidung sei, die man nicht über das Knie brechen dürfe; außerdem stehe ein großes Militärmanöver an, mache das morgen usw. Auf die vielen Einwände des Teufels („cras, cras“ – lat. für „morgen, morgen“) solle der Hl. Expeditus mit dem Wort „hodie!“ (lat. für „heute“) geantwortet haben. Er werde als Legionär mit einem Kreuz, auf dem das Wort „hodie“ stehe, dargestellt.
Der Heilige sei der Schutzpatron für wichtige Anliegen, die keinen Aufschub duldeten und der Schutzpatron vor Prokrastination („Aufschieberitis“). Sein Name „Expeditus“ bedeute „dringend, eilig“. Sein Ausspruch „hodie“ gelte nicht nur für alltägliche Dinge, wie aufzuräumen oder Wäsche zu bügeln, sondern auch für zentrale Dinge, wie sich gesund zu ernähren, zu beten oder kranke Angehörige zu besuchen. „Wenn wir in Rente sind, machen wir es uns schön“ – dies hätten schon viele Menschen gesagt, die er beerdigt habe.
Im Leben gebe es keine Garantien und niemand wisse, ob es einmal soweit komme, dass sich die Vorhaben für morgen realisieren ließen. Auf dem Friedhof lägen vielen Menschen, die noch zahlreiche Pläne gehabt hätten. Wir sollten uns das Wort „hodie!“ eine Mahnung des Heiligen sein lassen. Die „Aufschieberitis“ stecke tief in uns Menschen und es falle uns schwer, den inneren Schweinehund zu überwinden und nichts auf die lange Bank zu schieben – diese sei das liebste Möbelstück des Teufels. Die Vergangenheit könnten wir nicht ändern, die Zukunft sei ungewiss; wir hätten nur das Heute. Der Feiertag Allerheiligen lade uns dazu ein, darüber nachzudenken, was wir nicht mehr aufschieben sollten bzw. was heute für uns dran sei.
Nina Reuling





