Dieser Tag sei geprägt von der Vorfreude auf Ostern, was nicht nur in Liedern und Texten, sondern auch im rosafarbenen Messgewand zum Ausdruck komme – das ansonsten strenge violett der Fastenzeit werde vom Licht des Ostermorgens erhellt.
Da die Fünf-Wunden-Bruderschaft ihrer verstorbenen Mitglieder gedenke, mache er auf ein besticktes Tuch vor dem Altar aufmerksam, das einzelne Elemente der Leidensgeschichte Jesu zeige.
In seiner Predigt ging der Pfarrer auf die Redewendung „Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort“, ein. Er stellte die Frage, ob darin nicht ein Widerspruch stecke, da diese Aussage impliziere, dass der „liebe“ Gott ein strafender Gott sei. Während Liebe und Strafe heutzutage nicht mehr zusammenpassten, sei es früher üblich gewesen, Kinder gemäß dem bibl. Sprichwort „Wer seinen Sohn liebt, der züchtigt ihn“, zu schlagen. Das Alte Testament sei voll von Erzählungen, in denen Gott einzelne Personen, Familien oder Städte hart bestrafe. Da verwundere es nicht, dass sich zur Zeit Jesu die Überzeugung verfestigt habe, dass jede Sünde ihre gerechte Strafe nach sich ziehe.
Im heutigen Evangelium hörten wir von der Heilung eines Blindgeborenen durch Jesus. Die Jünger Jesu seien überzeugt gewesen, dass die Blindheit auf eine Sünde zurückzuführen sei. Da der Mensch bereits blind geboren sei, müssten folglich seine Eltern gesündigt haben. Jesus erteile dieser Überzeugung eine Absage, indem er klar zu verstehen gebe, dass weder der Blinde, noch dessen Eltern gesündigt hätten. Leiden sei keine Strafe für Sünden. Auf die Fragen, warum Menschen schuldlos leiden müssten und Gott nicht eingreife, gebe es keine Antwort. Daran sei schon so mancher Glaube zerbrochen. Fragen wie „Kommen Menschen, die Schuld auf sich geladen haben, einfach so davon?“ und „Warum soll ich ein guter Mensch sein, wenn ich keinen Vorteil davon habe?“ sprengten den Rahmen der Predigt. Dennoch wolle er ein paar Denkanstöße geben. Jeder sei moralisch dazu verpflichtet, Gutes zu tun, auch ohne einen Gegenwert einfordern zu können. Wer bewusst böse handele, könne auf Dauer nicht glücklich sein – er zerstöre sich selbst. Für uns Christen käme hinzu, dass dieses Leben nicht alles sei. Wie wir unser Leben in dieser Erdenzeit führten, habe Auswirkungen auf das ewige Leben. Wir sollten Not lindern und Nächstenliebe leben sowie uns immer bewusst sein, dass unser Tun begrenzt sei. Die Frage, warum gute Menschen leiden müssten, könnten wir Gott stellen, wenn wir ihm gegenüber stünden.
Im Anschluss an den Gottesdienst fand im Alten Rathaus das ökumenisch organisierte Fastenessen statt. Pfarrer Kölbel bedankte sich bei allen, die zum Gelingen des Fastenessens beigetragen hatten. Der Spendenerlös kommt dem Martinsladen und der Behindertennothilfe in Israel und Palästina zu Gute.
Nina Reuling / Bilder: Martin Winkler










