Daraus entstand ein bemerkenswerter Abend, der allerdings nicht gut besucht war. Manche stellten sich wohl auch ein belehrendes Abkanzeln unter dem Abend vor und blieben erst recht fern. Aber das Gegenteil war der Fall, es ging darum, einen Blick darauf zu werfen, warum sich die katholische Kirche mit einen angemessenen Umgang schwer tut.
Nur ca. 20 Gäste kamen im Anschluss an den Familiengottesdienst am Samstag, 24.10. in den Pfarrsaal in Bürgstadt, darunter nur wenige Betroffene, die sich vom offensichtlich mißverständlichen Titel nicht abhielten ließen. Der Referent des Abends, Klaus Schmalzl, Pastoralreferent und Berater in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) in Aschaffenburg im Dienst des Bistums Würzburg ist auch tätig als Diözesanrichter im bischöflichen Offizialat, dem offiziellen Kirchengericht der Diözese Würzburg.
Zu den Hauptaufgaben des Gerichts gehören u.a. auch Eheverfahren, "Ehenichtigkeitsverfahren" also Annulierungen der kirchlichen Eheschließung. Nur 2% der Scheidungen werden auch vor diesem Gericht geschieden, so Schmalzl, und die geschiedenen haben so offiziell die Möglichkeit einer neuen kirchlichen Eheschließung. Etwa 20 bis 40 geschiedene Ehen werden in Würzburg pro Jahr annulliert.
Die Gründe dafür, dass diese Zahl so niedrig ist, sind vielfältig: In vielen Fällen geht es tatsächlich nach Kirchenrecht nicht, manche hätten die Möglichkeit, aber wollen es nicht. Für viele ist es aber auch gar kein Thema, da die offizielle Lehrmeinung bekannt ist: Die sakramentale Ehe ist unauflöslich. Mit einer neuen Eheschließung gilt man als exkommuniziert und fühlt sich ausgegrenzt, der Glaube, den man weiter in sich trägt, zählt dabei nicht. Schmalzl hat einen hohen Respekt vor denen, die darüber den Glauben nicht verlieren.
Darf ein Seelsorger die Kommunion verweigern? Klaus Schmalzl erklärt gleich zu Beginn seine Haltung dazu: Als Richter hat er auf seinem Tisch das Kirchenrecht (den Codex Iuris Canonici) liegen. Er hat darauf die Bibel gelegt. Der Codex ist menschengemacht, die Bibel ist Wort Gottes. Wie hätte Jesus gehandelt? Für Schmalzl zählt hier das Gebot der Barmherzigkeit zuallererst. Er räumt aber auch ein, dass das Thema in der Kirche noch nicht wirklich gut gelöst ist.
In der Diözese Würzburg sind es 3% der Priester, die Betroffenen die Kommunion tatächlich verweigern, diese wären namentlich bekannt. Er berichtet von einem befreundeten Priester, der seine Haltung so erklärt: "Ich bin nicht der Herr über dieses Sakramant. Wenn jemand mit ehrlichem Herzen nach vorne tritt und die Hand ausstreckt, wer bich ich, dass ich das verweigern könnte?" Er zitiert Papst Franziskus, der die Seelsorger in der Enzyklika "Amoris laetitia" angehalten hat, pastoral zu handlen und Menschen, die kommen, nicht die Kommunion zu verweigern. Schmalzl wünscht allen Betroffenen eine große innere Stärke, aufrecht und selbtbewußt nach vorne zu gehen, sich frei zu machen von einem schlechten Gewissen und einen starken inneren Glauben, dass Jesus, der ihnen in der Kommunionspendung begegnen will, stärker ist als jeder, der meint, sich ihnen in den Weg stellen zu müssen. Es ist Jesus, der die Kommunion spendet.
Schmalzl hatte zuvor den Familiengottesdienst besucht, in dem nach eigenen Worten etwas "von der Freundlichkeit Gottes" zu spüren war, über die Musik, über die Kinder mit ihren Eltern, die Gestaltung durch das Familiengottesdienst - Team und wie Pfarrer Kölbel, die Menschen angesprochen hat. Aufgabe der Seelsorger sei es, die Liebe Gottes den Menschen begreifbar zu machen, einen menschenfreundlichen Gott zu verkünden.
Schmalzl ging noch auf die Haltungen der evangelischen Kirche und der orthodoxen Kirche ein, in denen eine kirchliche Scheidung möglich ist. Obwohl er für eine liberalere Praxis ist, bemüht er sich als Kirchenrechtler aber auch, die Argumente der anderen, eher konservativen Seite ernst zu nehmen: Wenn die katholische Kirche nicht mehr an der Unauflöslichkeit der Ehe festhält, dann macht es keiner mehr. Für ihn steht außer Zweifel, dass die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe eine gute Lehre ist, die auch der Botschaft Jesu ein Stück entspricht.
Für ihn gibt es aber auf die Frage, wie die Kirche, die Seelsorger mit den Menschen umgehen, denen es nicht gelingt, dieses hohe Ideal aus welchen Gründen auch immer zu erreichen, nur eine einzige Antwort: Menschlichkeit und Barmherzigkeit.
Abschließend bedankte Schmalzl sich bei Pfarrer Kölbel für die Einladung. Als Vorsitzender des Gemeindeteams dankte Michael Schmitt ihm für den Vortrag und überreichte ihm ein Weinpräsent.
Für die wenigen Betroffenen war es ein Vortrag, der sie in ihrer Haltung bestätigte. Bei einem guten Bürgstadter Schoppen und Brezen klang der Abend noch mit guten Gesprächen aus.
© Martin Scharbert



