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Eingeschrieben im Buch des Lebens

Allerheiligen sei ein kleines Ostern im Herbst, ein fröhlicher Feiertag, geprägt von der österlichen Zuversicht, dass dieser Friedhof nicht das Ende für unsere Verstorbenen sei, sondern, dass sie - wie eines Tages auch wir - in der Herrlichkeit Gottes ihre Vollendung fänden

so Pfarrer Jan Kölbel bei der Begrüßung der Teilnehmer an der Andacht mit Gräbersegnung auf dem Hauptfriedhof Miltenberg am 01.11.26.

Am Freitag sei er zuhause in Aschaffenburg auf dem Friedhof gewesen, um nach dem Elterngrab zu sehen, sagte der Pfarrer zu Beginn seiner Ansprache. Dort sei ihm aufgefallen, dass sich an vielen Gräbern kein klassischer Grabstein, sondern ein aufgeschlagenes Buch mit dem eingravierten Namen des Verstorbenen befinde – dies sei in Miltenberg eher selten. Als Buchliebhaber habe ihm dies gefallen. Der Grund, warum Menschen sich dafür entschieden sei nicht, dass das Buch pflegeleichter sei oder nicht so schnell umkippe wie ein Grabstein. Den Grund hätten wir soeben in der Lesung gehört.

Im Buch des Lebens seien die Namen der Erlösten eingeschrieben. Hiervon berichte das Buch Daniel oder die Offenbarung des Johannes. Die Bücher auf den Gräbern wollten an das Buch des Lebens erinnern und dass Gott die Namen der Verstorbenen darin eingraviert habe. Historisch sei dies nicht ganz korrekt, da es dickleibige Wälzer zur Zeit Jesu noch nicht gegeben habe – seinerzeit seien es Schriftrollen gewesen; gebundene Bücher seien zur Römerzeit aufgekommen. Nicht nur bei Büchern, sondern auch bei Gräbern gingen manche mit der Zeit – durch das Scannen eines QR-Codes könne man etwas über den Verstorbenen erfahren. Wie lange dieser Trend anhalte, sei ungewiss. Bei Gott würden andere Zeitmaßstäbe gelten: Wer eingeschrieben sei, bleibe es auch. Private Lieblingsbücher sagten viel über die Verstorbenen aus. Wir könnten uns heute fragen, welche Lieblingsbücher wir nicht missen möchten. Diese Bücher seien unsere Lebensbegleiter. Er hoffe, dass auch die Bibel dazu gehöre, dass sie nicht nur ein Schmuckstück im Bücherregal, nicht nur ein äußeres Zeichen für den Glauben sei, sondern dass sie sichtbare Gebrauchsspuren aufweise. Wir dürften unsere Hoffnung darauf setzen, dass unsere Verstorbenen und wir im Buch des Lebens eingeschrieben seien.

Im Anschluss segnete der Pfarrer die Gräber mit Weihwasser und Weihrauch. Während dessen sang die Gemeinde das Lied „Preis dem Todesüberwinder“ und betete das „Vater Unser“ und das „Gegrüßet seist du, Maria“.

In den Fürbitten wurde der Verstorbenen gedacht, die auf diesem Friedhof ruhen – den Eltern, Verwandten, Freunden, Seelsorgern, Lehrern und Wohltätern. In das Gedenken wurden die Menschen einbezogen, die plötzlich aus dem Leben gerissen wurden – die Opfer des Straßenverkehrs, von Krieg, Gewalt, Katastrophen, Krankheiten, Unfällen, Hunger und Not geworden waren.

Der Pfarrer bedankte sich bei der Stadtkapelle Miltenberg für die musikalische Begleitung und wünschte allen einen besinnlichen, guten Ausklang des Feiertages.

Nina Reuling / Bilder: Martin Winkler

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