Wir hätten eine kleine Pilgerreise zur Feier unseres Kirchenpatrons unternommen, der in seinem Leben und Sterben Jesus Christus verkündet habe.
In vielfältiger Weise werde in und um unsere Pfarrkirche an unseren Kirchenpatron erinnert, so Pfarrer Kölbel zu Beginn seiner Predigt. Da gebe es das Triptychon im Altarraum, die bereits erwähnte barocke Jakobus-Figur, die Jakobus-Stele am Seiteneingang (Marktplatz), den Pilgerbrunnen (Mainseite), die Jakobsmuschel und eine prachtvolle Reliquie, die heute auf dem Altar stehe. Nur wer sich die Kirche sehr genau anschaue, bemerke die fünf Steine, die zwischen den Kreuzwegstationen eingefügt seien.
Diese Steine stammten von Orten, die mit dem Hl. Jakobus in Verbindung stünden. Ganz rechts hinten sei ein Stein vom See Genesareth, also von dem Ort, an dem Jesus die beiden Brüder Jakobus und Johannes in seine Nachfolge gerufen habe. Bald schon hätten sie mit Simon Petrus zum allerengsten Kreis um Jesus gehört. Deshalb habe Jesus sie auch auf den Berg der Verklärung, den Berg Tabor mitgenommen. Von dort sei der zweite Stein.
Sie bekämen einen Vorgeschmack auf die Auferstehung, seien jedoch von der Leidensankündigung ihres Meisters vor ein Rätsel gestellt. Nur allzu bald wüssten sie, wie ernst diese gemeint sei. Daran erinnere der dritte Stein aus dem Garten Gethsemani. In der Stunde seiner höchsten Qual wolle Jesus seine engsten Freunde um sich haben – doch diese schliefen ein und Jesus müsse enttäuscht von ihnen alleine kämpfen. Der vierte Stein sei aus Jerusalem – ein Ort, den Jakobus mit Jesus öfter besucht und an dem er nach Jesu Auferstehung die Frohe Botschaft verkündet habe, bis er dort als erster der Apostel den Märtyrertod gestorben sei.
Der letzte Stein sei der rätselhafteste. Dieser stamme aus Santiago de Compostella, wo sich das Grab des Hl. Jakobus befinde. Doch wie sei der Leichnam von Jakobus dort hingekommen? Die Legenden seien historisch kaum glaubwürdig. Jedoch habe sich Santiago zu einem der größten Wallfahrtsorte der Christenheit entwickelt und Jakobus sei zum Patron der Pilger geworden. Fünf Steine, die uns an Jakobus Wege erinnerten.
Von welchen Orten würden wir für unser Leben Steine zusammensuchen? Vielleicht von Orten der Kindheit, Ferienorten, Wohnorten oder Arbeitsstellen? Wir bräuchten keine großen Pilgermärsche auf uns zu nehmen, um uns in Jakobus, dem Patron der Pilger, wiederzufinden. Jedes Leben sei eine Pilgerreise, auch wenn man immer an einem Ort bleibe.
Der Pfarrer bedankte sich bei der Schola Cantorum und bei Markus Heinrich (Ltg. und Orgel) für die tolle musikalische Gestaltung, beim Kirchenkaffeeteam für die Vorbereitung des Dämmerschoppens nach dem Gottesdienst und spendete den Segen mit der Jakobusreliquie.
Nina Reuling