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„Beim frühen Morgenlicht“ – ein altes Lied für Pilger von heute

Das Lied „Beim frühen Morgenlicht“ gehört für viele Bürgstäder zur Tradition der Walldürnwallfahrt.

Lange Jahre war es das erste Lied beim Weitergehen "nach der Steige" auf der Wenschdorfer Höhe. Seit 2017 ist es das zweite Lied und meist erleben wir das Morgenlicht, machmal auch einen wundervollen Sonnenaufgang, während die alten Strophen des Liedes gesungen werden. Das Lied ist fast 200 Jahre alt, es entstand in einer Welt ohne moderne Verkehrsmittel, ohne Smartphones und ohne die Ablenkungen unserer Zeit. Die Sprache und die Ausdrucksweise der Strophen wirken fremd. Die Formulierungen können manche abschrecken. 
Dennoch gehört gerade dieses Lied für viele zur Tradition unserer Wallfahrt. Es verbindet die Pilger von heute mit denen, die denselben Weg schon vor Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten gegangen sind.
Wie passt das Lied zum heutigen Leben und zur Wallfahrt? Die ersten Worte sprechen vom Beginn eines neuen Tages. Das Morgenlicht steht für Aufbruch, Hoffnung und Neuanfang. Auch heute beginnt jeder Tag mit neuen Aufgaben, Erwartungen und Herausforderungen. Das Lied lädt dazu ein, vor all dem den Blick auf Gott zu richten und den Tag bewusst in seine Hand zu legen.
Gerade auf einer Wallfahrt wird diese Botschaft lebendig. Pilger brechen am frühen Morgen auf und erleben Schritt für Schritt, dass das Leben selbst einem Weg gleicht. Nicht immer ist das Ziel sofort sichtbar, manchmal kostet der Weg Kraft und Ausdauer. Doch wie das Morgenlicht Orientierung schenkt, so kann der Glaube Halt und Zuversicht geben.
Die Strophen des Liedes begleiten dabei alle Situationen des Lebens. Ob in der Kirche oder unterwegs, bei Arbeit und Ruhe, bei Freude oder Leid – immer wieder erklingt derselbe Ruf: „Gelobt sei Jesus Christus.“ Damit erinnert das Lied daran, dass Gottes Gegenwart nicht auf besondere Orte oder Zeiten beschränkt ist, sondern den ganzen Alltag durchdringen kann.
Auch die Erfahrungen einer Wallfahrt spiegeln sich darin wider. Pilger erfahren Gemeinschaft, Dankbarkeit und Freude, kennen aber ebenso Müdigkeit, Sorgen und persönliche Anliegen. Das Lied verschweigt diese Seiten des Lebens nicht. Es lädt dazu ein, Gott sowohl im Glück als auch in schwierigen Zeiten zu vertrauen und ihn auf dem gesamten Weg an seiner Seite zu wissen.
So hat dieses alte Lied auch heute noch viel zu sagen. Es erinnert daran, dass das Leben mehr ist als die Erledigung von Aufgaben. Wie Pilger ihrem Ziel entgegengehen, sind auch wir eingeladen, unseren Lebensweg mit Hoffnung, Vertrauen und Dankbarkeit zu gehen. Das Morgenlicht wird dabei zum Zeichen dafür, dass Gott uns begleitet – auf der Wallfahrt und auf unserem ganzen Lebensweg.
Bei durchwachsenem Wetter mit einem leichtem Regen zu Beginn der Wallfahrt und auf dem Weg von Gottersdorf nach Gerolzahn hatten sich in diesem Jahr 42 Wallfahrerinnen und Wallfahrer, begleitet von 13 Musikerinnen und Musikern der Fränkischen Rebläuse Bürgstadt auf den Weg zum Heiligen Blut nach Walldürn gemacht. Danke sagen wir hier den Rebläusen und allen, die zum Gelingen der Wallfahrt beigetragen haben, vor allem auch für die Bewirtung in der "Linde" in Gerolzahn. Danke sagen wir auch Kaplan Tommy Reißig aus der Pfarreiengemeinschaft 12 Apostel am Tor zum Spessart, Lohr, der zusammen mit den Diakonen Florian Grimm und Friedhelm Bundschuh das Pilgeramt in der Wallfahrtsbasilika zelebrierte.

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